Zwischen Bergen, Alpaufzügen und Sonnenaufgängen
Ein Appenzeller Hobbyfotograf erzählt von seiner grossen Leidenschaft
Zahlreiche Fotos aus aller Welt werden beim CEWE Photo Award, dem grössten Fotowettbewerb der Welt, eingereicht. Auch der Appenzeller Matthias Burkhard hat seine besten Fotos in den Wettbewerb geschickt. Mit Erfolg: Sein Foto «Gaisbub beim Öberefahren» aus der Kategorie Travel & Culture wurde zu einem der vier besten internationalen Fotos im Monat Juni gewählt.
Lieber Matthias, herzlichen Glückwunsch zu diesem grossartigen Erfolg! Wir freuen uns, dich kennenzulernen. Erzähl uns gern kurz etwas über dich und deine Leidenschaft für die Fotografie.
Mein Name ist Matthias Burkhard und ich bin im schönen Appenzellerland geboren und aufgewachsen. Heute lebe ich gemeinsam mit meiner Frau und unserem Sohn in Altnau am Bodensee.
In meiner Freizeit widme ich mich leidenschaftlich der Fotografie. Angefangen hat alles im Jahr 2017 während einer Reise nach Myanmar, für die ich mir eigens eine Kamera gekauft hatte. Einige meiner ersten Bilder sind überraschend gut gelungen und so wurde meine Begeisterung für die Fotografie geweckt.
Nach einem Sportunfall konnte ich mein damaliges Hobby nicht mehr ausüben und begann deshalb, regelmässig zu wandern und die Berge des Alpsteins zu erkunden – natürlich immer mit der Kamera im Rucksack. So entstand die Verbindung zwischen Wandern und Fotografieren. Mit jeder Tour und jedem Bild lernte ich etwas dazu. Auch wenn ein Foto nicht gelungen war, blieb ich dran und versuchte, es beim nächsten Mal besser zu machen. Am liebsten fotografiere ich Landschaften während der goldenen oder blauen Stunde, rund um Sonnenauf- und Sonnenuntergänge. Auch die Tierwelt und neuerdings die Makrofotografie faszinieren mich. Besonders wichtig sind mir zudem Familienfotos, da sie schöne Erinnerungen festhalten.
Wie ist dein beim CEWE Photo Award ausgezeichnetes Bild «Gaisbub beim Öberefahre» entstanden?
Das Gewinnerfoto ist Anfang Juni bei einem Alpaufzug im Appenzellerland entstanden. In diesem Jahr wollte ich das Geschehen unbedingt einmal bewusst miterleben und fotografieren. Dafür musste ich sehr früh aufstehen. Ich glaube, es war ungefähr zwei oder drei Uhr morgens. Da die Kühe während des Alpaufzugs die Strassen blockieren, musste ich rechtzeitig vor Ort sein. Ich bin also bereits in der Dunkelheit losgelaufen und habe anschliessend mehrere Stunden gewartet.
In dieser Zeit konnte ich die Ruhe und die Stimmung in den Bergen geniessen und natürlich auch noch andere Fotos aufnehmen. Irgendwann hörte ich in der Ferne die Kuhglocken und wusste: Jetzt geht es los. Ich suchte mir eine Position etwas abseits der anderen Zuschauer und wartete auf den richtigen Moment.
Der Junge auf dem Foto war ganz am Anfang des Alpaufzugs unterwegs. Er war einer der Ersten, die mir entgegenkamen, und auch eines der ersten Motive, die ich fotografiert habe. Er wirkte unglaublich stolz, vorne mitlaufen zu dürfen. Diese Szene hat mich sofort berührt.
Hast du sofort gewusst, dass es ein besonderes Foto werden würde?
Ich habe schon vor Ort gemerkt, dass mir die Szene sehr gut gefällt. Ich kontrolliere meine Bilder jeweils direkt nach der Aufnahme und schaue, ob die Schärfe und die Belichtung passen. Aber ob ein Foto wirklich etwas Besonderes ist, zeigt sich für mich meistens erst später am Computer.
Bei diesem Bild wusste ich allerdings schnell, dass es eine schöne Aufnahme sein könnte. Der Junge hatte eine unglaubliche Ausstrahlung und wirkte so stolz. Gleichzeitig zeigt das Foto einen wichtigen Teil der Appenzeller Tradition: die Sennentracht, die Tiere und die morgendliche Stimmung während des Alpaufzugs.
Was bedeutet das Foto für dich?
Für mich bedeutet das Foto viel mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Ich habe es «Gaisbub» genannt. Ein Betrachter sieht vielleicht einen Jungen in einer traditionellen Tracht, die Tiere und eine schöne Wiese. Für mich ist aber die ganze Geschichte mit diesem Bild verbunden.
Wenn ich es anschaue, bin ich gedanklich sofort wieder dort. Ich höre die Glocken, erinnere mich an das Jodeln der Sennen und an die Stimmung, die während des Alpaufzugs herrschte. Ich weiss noch, wie ich dort stand, wie lange ich gewartet habe und wie nervös ich war, ob der entscheidende Moment gelingen würde.
Fotos lösen bei mir nicht nur visuelle Erinnerungen aus. Manchmal erinnere ich mich auch an Geräusche, Gerüche oder an das Wetter. Ein Bild erzählt für mich immer eine Geschichte und diese Geschichte geht oft weit über den eigentlichen Moment der Aufnahme hinaus.
Warum hast du gerade dieses Foto eingereicht?
Ich habe mehrere Fotos von diesem Alpaufzug eingereicht. Dieses Bild ist mir beim Durchsehen aber sofort ins Auge gesprungen. Ich dachte: Das ist eine schöne Szene und zeigt etwas typisch Appenzellisches.
Für die Bauern ist der Alpaufzug ein Höhepunkt des Jahres. Gemeinsam mit dem Silvesterklausen gehört er zu den wichtigsten Traditionen im Appenzellerland. Ich wollte mit dem Foto deshalb auch ein Stück gelebtes Brauchtum zeigen.
Du fotografierst gerne in der Schweiz. Was schätzt du daran besonders?
Meine Lieblingsmotive in der Schweiz sind klar die Berge. Was ich an der Schweiz besonders schätze, ist ihre enorme Vielfalt auf engem Raum. Es gibt Seen, Bergseen, Flüsse, Gletscher und ganz unterschiedliche Landschaften. Auch die Tierwelt fasziniert mich. In den Bergen kann man beispielsweise Steinböcke beobachten und ihnen teilweise erstaunlich nahekommen. Die Schweiz bietet fotografisch unglaublich viel. Selbst wenn ich mehrmals an denselben Ort gehe, ist die Stimmung jedes Mal anders. Das Licht, das Wetter und die Jahreszeit verändern eine Landschaft immer wieder.
Gibt es noch Motive, die du in der Schweiz unbedingt fotografieren möchtest?
Vor einigen Wochen konnte ich ein Motiv von meiner Liste streichen: den Aletschgletscher. Es gibt noch zwei oder drei weitere Ideen, die ich gerne umsetzen möchte vor allem im Bereich der Gletscher und Berge. Eine sehr lange To-do-Liste habe ich aber nicht. Viele Tiere, die in der Schweiz leben, durfte ich bereits fotografieren. Ich lasse mich inzwischen auch gerne überraschen und schaue vor Ort, welche Motive sich ergeben.
Gibt es einen Moment, den du beim Fotografieren erlebt hast und an den du immer wieder gerne zurückdenkst?
Einer der prägendsten Momente war gleich zu Beginn meiner fotografischen Reise in Myanmar. Wir waren bei Sonnenaufgang in Bagan, einer riesigen Tempelanlage. Mit einem Roller fuhren wir zu einer Pagode und stiegen hinauf. Dann fiel das erste warme Licht auf die Tempel. Dazu zogen Rauchschwaden durch die Umgebung, die von den Kochfeuern der umliegenden Häuser stammten. Die ganze Szenerie wirkte magisch. Dieses Erlebnis hat meine Begeisterung für die Fotografie sicher verstärkt.
Auch eine Reise nach Tansania ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Auf einer Safari konnte ich viele Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten und fotografieren. Besonders eindrücklich war ein Gepard, der nach einer Begegnung mit der Hyäne in die Savanne lief und schliesslich auf einen kleinen Hügel stieg. Es war gerade Sonnenaufgang, und der Gepard stand oben auf dem Hügel und überblickte die Landschaft. Ich konnte unzählige Fotos machen, aber vor allem war es ein unglaublich schöner Moment, den ich miterleben durfte.
Ein weiteres Highlight war eine Reise nach Island. Bei einem Wasserfall konnte man hinter dem Wasser entlanggehen. Zuerst war die Lichtstimmung eher unspektakulär. Doch kurz vor Sonnenuntergang kam die Sonne hervor und tauchte die gesamte Höhle in ein warmes, goldenes Licht. Für ein paar Minuten leuchtete alles gelb – die Felsen, das Wasser und die Höhle. Das war ein wirklich magischer Moment, genauso wie der Augenblick, als die Sonne kurz vor dem Untergang stand und der Himmel sich langsam in ein spektakuläres Farbenspiel verwandelte. Wenn ich das Foto heute anschaue, bin ich gedanklich wieder dort und spüre sogar noch das Wasser in meinem Gesicht.
Welchen Stellenwert hat die Fotografie in deinem Leben?
Die Fotografie ist für mich ein kreativer Ausgleich zu meinem Berufsalltag. Wenn ich mit meiner Kamera unterwegs bin, vergesse ich den Stress und kann mich ganz auf den Moment konzentrieren. Oft bin ich alleine unterwegs, weil nicht jeder die Geduld hat, mehrere Stunden auf eine bestimmte Lichtstimmung zu warten. Ich setze mich heute zuerst hin, beobachte die Umgebung und lasse den Ort auf mich wirken. Ich höre den Vögeln zu und schaue, wie sich das Licht verändert. Früher war ich viel stärker darauf konzentriert, sofort ein perfektes Foto zu machen. Heute geniesse ich zuerst den Moment. Die Fotografie hilft mir, bewusster wahrzunehmen und genauer hinzuschauen. Für mich verbindet sie Technik, Kreativität und das Gespür für den richtigen Augenblick.
Was passiert mit deinen Fotos, nachdem du sie aufgenommen hast?
Meine Fotos sollen nicht einfach auf einer Festplatte verschwinden, sondern möglichst ein zweites Leben bekommen. Deshalb gestalte ich jedes Jahr verschiedene Kalender. Angefangen hat das mit einem CEWE Fotokalender für meine Familie. Mit der Zeit kamen Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen dazu, die mittlerweile jedes Jahr einen Kalender bei mir bestellen. Das freut mich besonders, weil es mir zeigt, dass meine Bilder auch anderen Menschen gefallen.
Zusätzlich gestalte ich jedes Jahr einen Tischkalender mit Fotos von meinem Sohn. Einige Fotos hängen zudem in meinem Büro und bei uns zu Hause als Wandbilder. So landen meine Bilder am Ende regelmässig auf Papier und bleiben im Alltag präsent. Kalender gefallen mir besonders, weil die Fotos nicht nur einmal angeschaut werden, sondern mich und andere Menschen über das ganze Jahr begleiten.
Hast du zum Abschluss noch einen Ratschlag für Fotografie-Anfänger?
Man sollte Geduld haben. Fotografie ist ein Lernprozess, den man Schritt für Schritt durchläuft. Am Anfang war ich oft enttäuscht, wenn meine Bilder nicht so aussahen wie die Aufnahmen, die ich auf Instagram gesehen hatte. Meine Fotos waren langweilig oder gaben nicht das wieder, was ich vor Ort erlebt hatte. Mit jeder Tour, jedem Fehler und jedem neuen Bild habe ich aber dazugelernt. Nach und nach beginnt man zu verstehen, wie Licht, Perspektive und Technik zusammenspielen.
Wichtig ist auch, sich nicht nur auf die Kamera zu konzentrieren. Man sollte sich Zeit nehmen, bewusst hinschauen und die Umgebung wahrnehmen. Oft sind es kleine Details, eine besondere Lichtstimmung oder eine ungewohnte Perspektive, die ein Bild interessant machen.
Der wichtigste Tipp ist für mich aber: Fotografiere das, was dich begeistert. Die Technik kann man lernen. Entscheidend ist, dass man Freude an der Fotografie hat und neugierig bleibt. Die besten Bilder entstehen oft dann, wenn man nicht krampfhaft nach dem perfekten Foto sucht.
Vielen Dank für das sympathische Interview!
Folgen Sie Matthias Burkhard auf Instagram: @matthias.burkhard.7 oder auf Threads: @matthias.burkhard.7
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