Schweizer Monatsgewinner beim grössten Fotowettbewerb der Welt

Interview mit Tony Lüscher, Monatsgewinner beim CEWE Photo Award
«Rush-Hour am Passwang» von Tony Lüscher

Schon über 340‘000 Fotos wurden beim CEWE Photo Award eingereicht. Auch in der Schweiz wurden viele schöne Aufnahmen gemacht und ins Rennen geschickt. Ein Schweizer Fotograf hat es im März ganz nach vorne geschafft: Tony Lüschers Foto «Rush-Hour am Passwang» wurde zu einem der drei internationalen Monatsgewinner gekürt. Wir haben den Fotografen aus Bretzwil (BL) interviewt. Es ist ein Foto, das durch seine lebhafte Dynamik begeistert: Die leuchtenden Autos in der Langzeitbelichtung bilden einen spannenden Kontrast zur ruhigen, schneebedeckten Umgebung. Obwohl die Bewegung im Vordergrund steht, transportiert das Bild eine ruhige Abendstimmung. Im Interview erzählt uns Fotograf Tony Lüscher mehr zur Entstehung seines Fotos und von seiner Leidenschaft, der Fotografie.

Tony Lüscher © Beatrice Lüscher

Der 70-jährige Pensionär und sechsfache Grossvater aus Bretzwil sucht immer wieder die Herausforderung – sei es beim Mountainbiken in der Natur, bei wochenlangen Wanderungen, extremen Trekkingtouren oder spannenden Ausflügen mit der Kamera.

Herr Lüscher, wie ist dieses beeindruckende Foto entstanden?

Mein guter Freund Franz Schweizer ist auch Hobbyfotograf wie ich, noch dazu ein sehr guter. Er wohnt ganz in der Nähe und wir tauschen häufig unsere Erfahrungen untereinander aus. Auf der Suche nach aussergewöhnlichen Orten für Langzeitaufnahmen fuhren wir zusammen auf den Passwang. Dort konnte ich die «Rush-Hour am Passwang» ablichten.

Was war für Sie die Herausforderung dabei?

Die Herausforderung bei dieser Aufnahme war, dass die Passwangstrasse an diesem Abend unüblich wenig befahren wurde. Weiter unten konnte der Verkehr wegen einer Baustelle mit Lichtsignal nur einseitig fahren. Also musste ich immer wieder geschätzte fünf Minuten auf die kurze Autokolonne warten – aber meistens fuhren just in diesem Moment keine Fahrzeuge bergabwärts. Zudem war es an diesem Abend sehr kalt und der Biswind bewirkte, dass ich die Fotokamera nach zwei Stunden wegen meinen gefühllosen Fingern überhaupt nicht mehr bedienen konnte.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Foto besonders gut?

Dieses Bild wirkt – trotz der Rush-Hour – beruhigend. Es weckt das Gefühl: Nun neigt sich der Tag dem Ende zu, die Leute gehen nach Hause und geniessen den Feierabend.

Was bedeutet Ihnen die Fotografie?

Die Fotografie bedeutet mir sehr viel. Zum Beispiel motiviert sie mich, morgens um fünf Uhr aufzustehen um an einem speziellen Ort einen schönen Sonnenaufgang zu knipsen. Wieder zu Hause bin ich dann jeweils sehr glücklich!

Wie sind Sie zur Fotografie gekommen?

Schon als Kind bedeuteten mir Bilder viel mehr als Zahlen. Irgendwann bekam ich zum Geburtstag einen einfachen Fotoapparat und seither ist es meine Leidenschaft, Eindrücke bildlich festzuhalten. Aus meinen schönsten Fotos mache ich selbstverständlich auch mal ein Poster oder ein CEWE FOTOBUCH als Erinnerung. Es macht mich jedes Mal glücklich, wenn ich meine Abenteuergeschichten mit eindrücklichen Bildern untermalt erzählen kann – zum Beispiel auch in öffentlichen Vorträgen.

Das klingt spannend, um was geht es in Ihren Vorträgen?

Ich reise ja gerne in unbekannte Gegenden, erfahre immer wieder lustige und spannende Abenteuer. Wieder zu Hause erzähle ich dann die erlebten Geschichten authentisch und unterhaltsam weiter. Da ich in den vergangenen 19 Jahren bei meinen aussergewöhnlichen Wanderungen oft auch von einem unternehmungslustigen Freund, der im gleichen Dorf wohnt, begleitet wurde, war das Interesse der hiesigen Bevölkerung noch grösser. Irgendwann, vor ungefähr 15 Jahren, sagte ich zu meinem Wanderfreund: Komm, wir organisieren einen öffentlichen Vortrag. So müssen wir die Erlebnisse nicht x-mal erzählen.

Und die Kamera ist immer mit dabei?

Auf langen Wanderungen fotografiere ich meistens mit einer handlichen, kleinen Kamera. Manchmal reise ich nachträglich nochmals mit der vollen Fotoausrüstung mit dem Auto zu einzelnen Spots. Auf einer dreiwöchigen 450 km-Wanderung, von der Schweiz aus über die Vogesen in den Pfälzerwald, notierte ich zum Beispiel alle Leute, die mir unterwegs irgendetwas Gutes getan haben. Einen Monat später bin ich dann mit meiner Ehefrau die Strecke nochmals mit dem Auto abgefahren. Dabei besuchte ich alle diese lieben (16) Leute und ich bedankte mich bei jeder einzelnen Person mit einer Geschenkpackung Basler Läckerli.

Gibt es in Ihrem Leben noch mehr besondere fotografische Momente, an die Sie gern zurückdenken?

Ich könnte unzählige besondere fotografische Momente aufzählen. Unvergesslich bleibt die Begegnung mit einem Grizzlybären im Yukon, Kanada. Ich war wochenlang zu Fuss im Kluane-Nationalpark unterwegs. Während ich mich durch ein undurchschaubares Buschwerk kämpfte, stand plötzlich ein verblüffter Grizzlybär neben mir. Zufälligerweise hatte ich meinen eingeschalteten Fotoapparat schussbereit in der Hand. Während ich ruhig sprechend mit dem Blick nach vorne weiterging, betätigte ich zwei-, dreimal den Drücker.

Noch eine Frage zum Schluss: Welchen Tipp würden Sie Fotografie-Anfängern geben?

Bücher lesen; Online-Videos und Lernfilme angucken; Fotokurse besuchen; knipsen, knipsen, knipsen und immer wieder andere Leute um eine ehrliche Kritik bitten. Aber Achtung, jede(r) sieht das mit anderen Augen und jeder Mensch soll seinen eigenen Stil finden und auch ab und an von den Grundregeln der Bildgestaltung abweichen.

Herzlichen Dank für das Interview!

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